Fliedersee: Eine bewegte Geschichte

Der Fliedersee war bis 1862 weit über die Grenzen des Dorfes Hedingen hinaus bekannt. Hedingen liegt im Säuliamt, eine ländliche Region unweit von Zürich. Wie so viele Gewässer im vorletzten Jahrhundert musste auch der Fliedersee dem wirtschaftlichen Fortschritt weichen. In Hedingen ist aber dennoch ein kleiner Teil des einst mächtigen und artenreichen Gewässers zu bestaunen.

Ausserdem wurde 1992 in Hedingen eine grosse Genossenschaftssiedlung gebaut, auf Teilen des ehemaligen Seegebietes. Zu Ehren des historischen Sees heisst die Strasse "Fliederstrasse".


Grnblaue Mosaikjungfer Frisch aus der Larve: Blaugrüne Mosaikjungfer


Fliedersee: Der einst grosse Stolz der Hedinger

Wo heute nur ein kleiner Teich zu sehen ist, befand sich bis 1862 der Fliedersee. Gelegen in einer Hangsenke, rund 700 Are gross, mit teilweise sumpfigen Ufern. Der Fliedersee war ursprünglich Teil eines das gesamte Reusstal füllenden Gewässers. Im Mittelwürm vor ungefähr 45.000 Jahren verlandete dieses bis auf einen kleinen, uns wohlbekannten Rest. Gespeist wurde der Fliedersee später vom Wissenbach, der damals noch vom Schurten nördlich des Güpf zum Kaltacker floss. Hinter dem Fliedersee mündete der Wissenbach in den Maibrunnen. Heute beginnt an dieser Stelle die Maibrunnenstrasse.


Fliedersee mit Hedinger Kirche, fotografiert 1857 vom Westufer


13. Jahrhundert: Ritter Johannes von Hedingen

Bereits Ritter Johannes von Hedingen soll den See als Badeplatz sehr geschätzt haben. Den heute bekannteren Hedinger Weiher gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Johannes von Hedingen, dessen Wappensiegel mit Pflugspitze im goldenen Kornfeld das heutige Hedinger Wappen bildet, war Ende des 13. Jahrhunderts zwar nicht am Rütlischwur beteiligt. Aber es geht die Sage, dass bereits die ersten Eidgenossen bei ihren Ritten nach Zürich jeweils am Fliedersee eine Rast einlegten. Denn der malerische See unweit der Strasse von Zug nach Zürich lud schon immer zum Verweilen ein.


1507: Fremde Vögte

Erwähnt wird der Fliedersee auch im Mittelalter. Die Vogtei Hedingen, die 1507 zusammengeschlossen wurde mit der Vogtei Maschwanden-Freiamt, verweigerte den fremden Vögten nämlich das Fischerei- und Baderecht im Fliedersee. Eine harte Sanktion der stolzen Hedinger.


Quelle: Eidgenössisches Binnenseekataster

Situation vor 1862: Ursprüngliche Grösse des Fliedersees


1862: Das Ende des Fliedersees

Der Bau der Knonauer Eisenbahnstrecke besiegelte das vorläufige Ende des Fliedersees. Denn die Zürich-Zug-Luzern-Bahn, eine Tochter der Nordostbahn, plante das Trassee genau durch das Südende des Sees. Zunächst war nur eine Brücke mit Haltepunkt geplant.

Teichmummel


Doch dann sollte es doch ein gemauerter, stattlicher Bahnhof werden, ähnlich den anderen Bahnstationen im aufstrebenden Säuliamt. Somit wurde 1862 der Wissenbach in ein neues Bett verlegt, der Fliedersee ausgetrocknet und mit dem Ausbruchmaterial des Landiker Eisenbahntunnels gefüllt.

Ab 1864 rollten die ersten Dampfzüge von Altstetten nach Zug und Luzern, und ab 1882 dann auch vom Säuliamt direkt bis zum Gotthard.


Jahrzehnte vor der S-Bahn: Bahnhof Hedingen mit Dampfzug der ZZL-Bahn


21. Jahrhundert: Fliedersee nur noch eine Legende?

Hedingen wuchs, der alte See geriet in Vergessenheit, zumal seit 1945 der Hedinger Weiher als Badesee freigegeben wurde.

Erst 2010 stiess man bei Gartenbauarbeiten auf Ablagerungen im Sediment: Reste des ehemaligen Seegrundes. Aufgrund seiner historischen Bedeutung wurde ein kleiner Teil des Fliedersees wieder freigelegt. Auch dieser kleinere Fliedersee hat sich inzwischen wieder zu einer wertvollen Naturoase entwickelt. Der legendäre Fliedersee lebt weiter.


Heimisch am Fliedersee: Frühe Adonislibelle